Die unterirdische Stadt Derinkuyu – das verborgene Wunder Kappadokiens

Unterirdische Stadt Derinkuyu in Kappadokien

Mitten in Kappadokien, im Ort Derinkuyu südlich von Nevşehir, führt ein unscheinbarer Eingang in eine der erstaunlichsten Anlagen der Antike: eine komplette Stadt, die nicht nach oben, sondern nach unten gebaut wurde – Stockwerk um Stockwerk tief in den weichen Tuffstein.

Eine Stadt tief unter der Erde

Derinkuyu ist die tiefste der unterirdischen Städte Kappadokiens. Über mehrere Etagen reicht die Anlage Dutzende Meter in die Tiefe – ein Labyrinth aus Gängen, Treppen und Kammern, in dem in Notzeiten tausende Menschen Platz fanden. Schon der Name verrät es: „Derin kuyu“ bedeutet auf Türkisch tiefer Brunnen.

Gänge und Kammern der unterirdischen Stadt Derinkuyu im warmen Licht
Ein Labyrinth aus Gängen und Kammern – Stockwerk um Stockwerk in den Fels gegraben.

Warum baute man eine ganze Stadt unter die Erde?

Der Grund war Überleben. Die unterirdischen Städte der Region wurden vor allem von Christen ausgebaut, die durch Verfolgung und Überfälle bedroht waren. Bei Gefahr verschwanden ganze Dörfer mitsamt Vieh und Vorräten unter der Erde – und warteten dort, geschützt und unsichtbar, bis die Bedrohung vorüber war. Die Anlagen dienten zugleich als Zufluchtsort und als Andachtsstätte.

Wie funktionierte das Leben unter Tage?

Auf den ersten Blick wirkt alles planlos – doch in Wahrheit wurde mit großer Sorgfalt gebaut. Sämtliche Tunnel und Räume sind miteinander verbunden, und die Anlage enthielt alles, was eine Gemeinschaft zum Überleben brauchte:

  • Wohn- und Schlafräume für die Familien
  • Ställe für das Vieh nahe den Eingängen
  • Küchen, Vorratslager und Weinkeller
  • Belüftungsschächte und Wasserdepots
  • sogar eine Kirche und Versammlungsräume

Damit war die unterirdische Stadt über Wochen autark – eine vollständige Siedlung ohne Tageslicht.

Die gewaltigen Rolltüren aus Stein

Große runde Rolltür aus Stein in einer unterirdischen Stadt Kappadokiens
Runde Steintüren ließen sich nur von innen verschließen – bis zu 500 kg schwer.

Das wohl beeindruckendste Detail sind die runden Rolltüren aus Stein. Diese mächtigen Steinscheiben sind über einen halben Meter dick, haben einen Durchmesser von rund 170 Zentimetern und wiegen etwa 500 Kilogramm. Sie ließen sich nur von innen verschließen – ein Angreifer hatte keine Chance, sie von außen zu bewegen. Bemerkenswert: Solche Türen wurden meist gar nicht im Inneren gefertigt, sondern aus härterem Gestein der Umgebung herangeschafft.

Frische Luft und Wasser in der Tiefe

Damit so viele Menschen über längere Zeit unter der Erde leben konnten, brauchte es ein durchdachtes System: senkrechte Belüftungsschächte versorgten selbst die untersten Etagen mit frischer Luft, und tiefe Brunnen sicherten die Wasserversorgung – unabhängig von der Oberfläche, damit Angreifer das Wasser nicht vergiften konnten.

Derinkuyu heute besuchen

Heute ist ein großer Teil der Anlage für Besucher freigegeben und gehört zu den faszinierendsten Sehenswürdigkeiten Kappadokiens. Wer durch die engen Gänge nach unten steigt, spürt unmittelbar, mit welchem Einfallsreichtum die Menschen hier ihrem nackten Überleben einen Raum gegeben haben – tief im Inneren der Erde.

Tipp: Plane festes Schuhwerk und etwas Wärmeres ein – unter der Erde ist es kühl, und einige Gänge sind niedrig und eng.