Üzümlü Kilise Derinkuyu – die Aziz-Theodoros-Trion-Kirche (Grape Church)

Aziz Theodoros Trion Kirche (Üzümlü Kilise) in Derinkuyu – Außenansicht mit den beiden Kuppeln

Mitten in Derinkuyu, nur wenige Gehminuten vom Eingang der berühmten unterirdischen Stadt entfernt, steht ein stiller Zeuge der griechisch-orthodoxen Vergangenheit Kappadokiens: die Aziz Theodoros Trion Kirche, von den Einheimischen Üzümlü Kilise – die „Traubenkirche“ – genannt. Wer Derinkuyu besucht, sollte sich diesen Ort nicht entgehen lassen. Die folgenden Eindrücke stammen von einem Besuch vor Ort.

Aziz Theodoros Trion Kirche (Üzümlü Kilise) in Derinkuyu – Außenansicht mit den beiden Kuppeln
Die Üzümlü Kilise – Außenansicht mit den beiden Kuppeln

Was ist die Üzümlü Kilise?

Die Üzümlü Kilise ist eine ehemalige griechisch-orthodoxe Kirche aus dem 19. Jahrhundert. Ihr Bau wurde ab 1856 möglich, als Sultan Abdülmecid mit dem Reformedikt Islahat Fermanı den christlichen Gemeinden des Osmanischen Reichs den Bau repräsentativer Kirchen erlaubte; am 15. Mai 1858 wurde sie geweiht. Ihren volkstümlichen Namen – „Traubenkirche“, auf Englisch Grape Church – verdankt sie den kunstvollen Steinmetzarbeiten am Portal: In den warmen, rötlichen Sandstein sind Weinreben und Trauben gemeißelt, ein uraltes christliches Symbol, das zugleich an die jahrtausendealte Weinbautradition Kappadokiens erinnert. Offiziell ist sie dem heiligen Theodoros Trion (Theodor Tyron) geweiht – einem frühchristlichen Soldaten-Märtyrer aus dem 4. Jahrhundert, der in der orthodoxen Welt bis heute hoch verehrt wird.

Wegweiser zur Aziz Theodoros Trion Kilisesi (Üzümlü Kilise) in Derinkuyu
Wegweiser zur Üzümlü Kilise – der „Grape Church"

Bis zum Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei im Jahr 1924 lebte in Derinkuyu – damals unter dem griechischen Namen Malakopi bekannt – eine große christlich-orthodoxe Gemeinde. Die Üzümlü Kilise war ihr geistliches Zentrum. Nach dem Austausch verließen die orthodoxen Familien die Region, und die Kirche verstummte. Heute ist sie restauriert und als Baudenkmal zugänglich – ein eindrucksvolles Kapitel der Geschichte von Derinkuyu. Wer tiefer einsteigen möchte: Auch die türkischsprachige Wikipedia widmet der Kirche einen eigenen Artikel.

Architektur: behauener Stein und ein Glockenturm

Schon von außen wirkt die Kirche mächtig. Sie ist vollständig aus sauber behauenem Naturstein (kesme taş) errichtet, mit einem hohen Giebel, mehreren Kuppeln und einem markanten Glockenturm. In den Giebel und die Fassade sind steinerne Kreuze eingelassen – für eine Kirche im ländlichen Anatolien ein selbstbewusstes Bekenntnis.

Giebel mit Steinkreuzen der Üzümlü Kilise in Derinkuyu
Giebel mit steinernen Kreuzen
Glockenturm der Aziz Theodoros Trion Kirche in Derinkuyu
Der Glockenturm der Kirche

Im Inneren öffnet sich ein überraschend großzügiger Raum. Hohe Rundbögen tragen das Gewölbe, das Licht fällt durch schmale Fenster in der Apsis und zeichnet die Konturen der alten Malereien nach. Der Grundriss folgt der klassischen Basilika-Form mit einem breiten Mittelschiff und einer erhöhten Empore.

Säulen mit Spiel: Erdbebenschutz und die Straußenei-Legende

Eine Besonderheit, die man vor Ort gern erzählt: Die tragenden Säulen sollen bewusst mit wenigen Zentimetern Spiel gesetzt worden sein – eine Art Erdbebenschutz des 19. Jahrhunderts, damit das Mauerwerk bei Erschütterungen arbeiten kann, statt zu reißen. Als Baumeister wird in lokalen Quellen ein griechischer Architekt überliefert. Und dann ist da noch die schönste Legende der Üzümlü Kilise: Dem Mörtel sollen Eier beigemischt worden sein – manche Erzählungen sprechen sogar von Straußeneiern –, um ihn besonders hart und dauerhaft zu machen. Ob Wahrheit oder fromme Übertreibung: Dass die Kirche nach über 160 Jahren in dieser Erdbebenregion noch so aufrecht steht, gibt den Geschichten einen wahren Kern.

Innenraum der Üzümlü Kilise in Derinkuyu mit Blick zur Apsis
Blick durch das Kirchenschiff zur Apsis
Gewölbe und Bogengänge aus behauenem Stein im Inneren der Üzümlü Kilise
Gewölbe und Bogengänge aus behauenem Stein

Die Fresken: ein thronender Christus und himmlische Engel

Das eigentliche Herzstück der Üzümlü Kilise sind ihre Fresken. Trotz der Spuren der Zeit sind viele Malereien erstaunlich gut erhalten. Im Zentrum thront Christus als Pantokrator, der Weltenherrscher – eine der eindrucksvollsten byzantinisch geprägten Darstellungen der Region. Rundum finden sich Medaillons mit Heiligen, kniende Engel und florale Ornamente, die den ganzen Raum überziehen.

Fresko des thronenden Christus Pantokrator in der Üzümlü Kilise Derinkuyu
Der thronende Christus Pantokrator – das Herzstück der Fresken
Christus-Fresko als Deckenmedaillon in der Üzümlü Kilise
Christus-Medaillon an der Decke
Kuppelfresko im Inneren der Üzümlü Kilise in Derinkuyu
Kuppelfresko im Inneren der Kirche

Wer genauer hinsieht, entdeckt über jeder Nische feine Details: Engelspaare, die geschnitzten Kapitelle und die zarte Farbigkeit, die einst den gesamten Innenraum geschmückt haben muss. Diese Bildsprache steht in direkter Tradition der byzantinischen Geschichte Kappadokiens und ihrer berühmten Höhlenkirchen.

Engel-Fresken über einer verzierten Nische in der Aziz-Theodoros-Kirche
Engel-Fresken über einer verzierten Nische
Steinmetzarbeit und Fresken über einer Nische in der Üzümlü Kilise
Fein gearbeitete Nische mit Fresken darüber
Bemalter Bogen mit floralen Motiven in der Üzümlü Kilise
Bemalter Bogen mit floralen Motiven

Nicht verwechseln: die andere Üzümlü Kilise (Zelve)

Ein Hinweis, der selbst in Reiseführern oft fehlt: In Kappadokien gibt es zwei Kirchen namens Üzümlü Kilise. Neben unserer Stadtkirche in Derinkuyu (erbaut 1858) trägt auch eine viel ältere Höhlenkirche im Roten Tal bei Zelve diesen Namen – die dem heiligen Niketas geweihte Felsenkirche aus dem 7.–9. Jahrhundert, ebenfalls mit Trauben-Motiven. Wer also nach der „Grape Church“ sucht, sollte wissen, welche gemeint ist: Die Höhlenkirche liegt rund 40 Kilometer nördlich zwischen Göreme und Avanos – die hier beschriebene Aziz-Theodoros-Trion-Kirche steht mitten im Ortskern von Derinkuyu, direkt neben der unterirdischen Stadt.

Besuch der Kirche in Derinkuyu: Anfahrt, Lage & Eintritt

Die Üzümlü Kilise liegt zentral in Derinkuyu (Provinz Nevşehir) und ist von der unterirdischen Stadt aus bequem zu Fuß erreichbar – Route in Google Maps planen. Am kleinen Vorplatz stehen Souvenirstände, und ein bunt geschmückter Wunschbaum mit unzähligen Nazar-Perlen (den blauen „bösen Blick“-Amuletten) empfängt die Besucher – ein schönes Fotomotiv gleich am Eingang.

Wunschbaum mit Nazar-Perlen vor der Üzümlü Kilise in Derinkuyu
Wunschbaum mit Nazar-Perlen am Kircheneingang

Noch ein wichtiger Hinweis zur Aktualität: Ältere Berichte im Netz beschreiben die Kirche als verfallen oder wegen Restaurierung geschlossen. Das ist überholt – die Üzümlü Kilise wurde restauriert und war bei unserem Besuch im Juli 2026 regulär für Besucher geöffnet.

Der Eintritt wird vor Ort in bar bezahlt. Bei unserem Besuch (Stand 2026) galten diese Preise: Schüler und Lehrer 25 TL, einheimische Besucher 50 TL, ausländische Gäste 100 TL. Der türkische Müzekart (Museumspass) wird hier nicht akzeptiert. Da sich Preise und Öffnungszeiten ändern können, lohnt ein Blick auf unsere stets aktualisierten Informationen zu Tickets und Eintritt in Derinkuyu.

Eintrittspreise-Schild an der Üzümlü Kilise in Derinkuyu, Stand 2026
Eintrittspreise vor Ort (Stand 2026)

Unser Tipp: Verbinden Sie den Besuch der Kirche mit der unterirdischen Stadt von Derinkuyu – beide liegen nur wenige Hundert Meter auseinander. So erleben Sie an einem Vormittag zwei völlig unterschiedliche Seiten der Stadt: das geniale Ingenieurswerk tief unter der Erde und das stille, kunstvolle Erbe über der Erde. Weitere lohnende Ziele finden Sie in unserer Übersicht der Sehenswürdigkeiten in Derinkuyu.

Häufige Fragen zur Üzümlü Kilise

Warum heißt die Kirche „Üzümlü Kilise“ (Traubenkirche)?

Der Name geht auf die in den Stein gemeißelten Weinreben und Trauben am Portal zurück. Wein und Trauben sind ein zentrales christliches Symbol und zugleich ein Verweis auf die lange Weinbautradition Kappadokiens.

Wem ist die Kirche geweiht?

Sie ist dem heiligen Theodoros Trion (Theodor Tyron) geweiht und trägt offiziell den Namen Aziz Theodoros Trion Kilisesi. Erbaut wurde sie im 19. Jahrhundert von der damaligen griechisch-orthodoxen Gemeinde Derinkuyus.

Was kostet der Eintritt und wird der Müzekart akzeptiert?

Bei unserem Besuch 2026 kostete der Eintritt 50 TL für einheimische und 100 TL für ausländische Besucher (Schüler/Lehrer 25 TL). Der Müzekart ist hier nicht gültig. Preise können sich ändern – am besten vorab die aktuellen Ticket-Infos prüfen.

Lohnt sich der Besuch neben der unterirdischen Stadt?

Absolut. Die Kirche liegt nur wenige Gehminuten von der unterirdischen Stadt entfernt und lässt sich problemlos am selben Tag besichtigen. Die gut erhaltenen Fresken und die Steinmetzkunst machen sie zu einem der schönsten oberirdischen Sehenswürdigkeiten Derinkuyus.

Ist die Üzümlü Kilise aktuell geöffnet?

Ja. Nach der Restaurierung ist die Kirche wieder als Baudenkmal zugänglich – bei unserem Besuch im Juli 2026 war sie regulär geöffnet. Ältere Angaben im Netz, die von Verfall oder Schließung sprechen, sind überholt.

Gibt es zwei Kirchen namens Üzümlü Kilise?

Ja. Neben dieser Stadtkirche in Derinkuyu (1858) gibt es im Roten Tal bei Zelve eine Höhlenkirche aus dem 7.–9. Jahrhundert, die ebenfalls Üzümlü Kilise („Grape Church“) genannt wird und dem heiligen Niketas geweiht ist. Beide werden häufig verwechselt.

Alle Fotos in diesem Beitrag wurden vor Ort in Derinkuyu aufgenommen. Zwei Aufnahmen stehen als freie Bilder auf Wikimedia Commons bereit (Foto: Murat Gemici, Lizenz CC BY 4.0).