Kaymaklı – die unterirdische Stadt wie ein Ameisenhügel

Unterirdische Stadt Kaymaklı in Kappadokien

Nur wenige Kilometer von Derinkuyu entfernt liegt eine zweite unterirdische Stadt, die genauso staunen lässt: Kaymaklı. Wo oben ein ruhiges anatolisches Städtchen steht, öffnet sich unter der Erde ein verzweigtes Reich aus Gängen und Kammern – so dicht und verwinkelt, dass Forscher es treffend mit einem Ameisenhügel verglichen haben.

Gänge und Kammern der unterirdischen Stadt Kaymaklı in Kappadokien
Kaymaklı – ein Labyrinth aus verbundenen Gängen und Räumen.

Eine Stadt mit alten Namen

Kaymaklı liegt rund 20 Kilometer von Nevşehir und nur etwa 9 Kilometer von Derinkuyu entfernt – beide gehören seit jeher zu den benachbarten Siedlungszentren der Region. In der Antike trug der Ort griechische Namen wie Enegüp oder Enegobi. Die heutige unterirdische Stadt wurde 1964 für den Tourismus erschlossen; vier Etagen sind bis heute zugänglich.

Geplant wie ein Uhrwerk

Auf den ersten Blick wirkt Kaymaklı planlos – doch dieser Eindruck täuscht. Beim Bau wurde große Sorgfalt walten gelassen: Alle Tunnel und Räume scheinen zwar wild durcheinander zu liegen, sind aber sämtlich miteinander verbunden. Zu den Bereichen, die man heute besichtigen kann, zählen:

  • Ställe nahe den Eingängen für das Vieh
  • Schlafzimmer und Wohnräume für die Familien
  • Küchen, Vorratslager und Weinkeller
  • Luftschächte und Wasserdepots
  • eine Kirche sowie Versammlungs- und Gemeinschaftsräume

In der Tiefe von 15 bis 20 Metern erreicht man sogar ebene Flächen – ganze Plätze unter der Erde.

Die Rolltüren – 500 Kilogramm Sicherheit

Runde Rolltür aus Stein in der unterirdischen Stadt Kaymaklı
Massive Steinscheiben verschlossen die Gänge – nur von innen zu bewegen.

Sämtliche Gänge ließen sich mit runden Steintüren verschließen. Diese Scheiben sind 55 bis 60 Zentimeter dick, haben einen Durchmesser von rund 170 Zentimetern und wiegen etwa 500 Kilogramm. Spannend: Das Material stammt nicht aus der Stadt selbst, denn der Härtegrad des Gesteins im Inneren passte nicht – die Türen wurden aus Steinfeldern der Umgebung herangeschafft.

Kaymaklı oder Derinkuyu?

Beide unterirdischen Städte sind ein Erlebnis – und sie ergänzen sich. Derinkuyu geht besonders tief in die Erde, während sich Kaymaklı eher breit verzweigt und mit seinen niedrigen, engen Gängen noch unmittelbarer spüren lässt, wie eng das Leben hier unten war. Wer Zeit hat, sollte beide besuchen.

Tipp: Die Gänge sind teils sehr niedrig – wer nicht gern gebückt geht oder unter Platzangst leidet, sollte das einplanen.

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